Puchheim: Alles zum Austragungsort des Merkur CUP-Finales der Mädchen

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Blick auf die Planie in Puchheim.

In Puchheim findet das Merkur CUP-Finale der Mädchen statt. Die Stadt ist aber nicht nur aus sportlicher Sicht interessant. Sie hat einige Eigenheiten – vor allem, weil es das eine Puchheim gar nicht gibt.

Kreative Würstelkreationen bietet die Familie Kaspar in ihrem Hofladen an.

In der Stadt Puchheim existiert noch ein richtiges Dorf: Puchheim-Ort. Hier gibt es einen Maibaum, einen Tag des offenen Hofes beim Bauern Huber – und einen Hofladen. Der liegt auf einer Anhöhe, nahe der B 2 zwischen Germering und Fürstenfeldbruck. Man ist dort erhaben über hektisches Einkaufsgebaren und To-do-Listen, eben wie beim Metzger auf dem Land. Die Schlange geht bis zur Eingangstür, der Letzte hat die Klinke im Rücken. Egal. Hier gibt es keine zweite Kasse wie im nahegelegenen Einkaufszentrum. Der Chef nimmt sich Zeit für einen Ratsch über seine neuesten Würstel-Kreationen. „Die mit Mango sind unser Verkaufsschlager“, erklärt er dem Kunden. Und da blitzt es dann doch durch: Experimentierfreude am Grillgut, Essen als Lifestyle-Produkt – ein durchaus eher städtisches Phänomen.

Das Treiben im Bauernladen ist freilich nur ein kleiner Schauplatz auf der rund zwölf Quadratkilometer großen Fläche der Stadt. Und trotzdem steht er für das wichtigste charakteristische Merkmal: die Mischung aus rustikalem und urbanen Flair – übrigens etwas, was der ganze Landkreis Fürstenfeldbruck als reizvollen Wesenszug für sich verbucht. In Puchheim sind die Kontraste besonders groß – und die rund 21 000 Einwohner pflegen sie mit Liebe.

Für die Bürger ist das Wort nach dem Bindestrich entscheidend

Die Stadt ist geteilt in Puchheim-Ort und Puchheim-Bahnhof. Wie entscheidend das Wort hinter dem Bindestrich für die Bürger ist, besonders, nachdem man 2011 zu einer Stadt wurde, wird Nicht-Eingeweihten schnell klar. Auf die Frage nach der Herkunft wird man Antworten erhalten wie „I bin a Ortler“. Beliebt ist auch ein Zweiklang nach alter James-Bond-Manier: „Ich bin aus Puchheim. Puchheim-Bahnhof.“ Natürlich ist der eine Stadtteil in den Augen der jeweiligen Bewohner besser als der andere, ein klassischer Fall von Ortsrivalität.

Der Hausmüll der Münchner wurde Ende des 19. Jahrhunderts in dieser Fabrik in Puchheim-Bahnhof verwertet.

Da wird schon einmal die Chronik bemüht. Die Ortler bestehen gerne darauf, dass ihr Stadtteil historisch gesehen die Keimzelle des heutigen Puchheims ist. 1818 entwickelte sich hier die Gemeinde, ab 1839 bildeten die ersten Torfstecher im Moor nordöstlich des Dorfes eine Kolonie. Puchheim-Bahnhof – der Name verrät es – entstand erst mit der Eröffnung der Haltestelle für die Münchner Vorortzüge im Mai 1896. Die Hausmullfabrik zur Verwertung des Hausmülls der Münchner ging kurze Zeit später in Betrieb. Dann ging es steil bergauf – 1910 wurde sogar einer der ersten Flugplätze Deutschlands mit einem Zweigwerk der Otto-Werke München gebaut. Torfstecher auf der einen Seite und Flugzeuge auf der anderen – die Geschichte gab den weiteren Weg vor.

So ist Puchheim-Bahnhof deutlich städtischer geprägt: S-Bahn-Haltestelle, Rathaus, markante Hochhäuser. Das Höchste misst knapp 50 Meter, hat 16 Stockwerke plus Erdgeschoss. Eine Größenordnung, über die man in New York lacht, die aber im Landkreis wortwörtlich heraussticht. Die „Skyline“ ist bereits von Weitem zu sehen.

In Puchheim gibt es 108 verschiedene Nationalitäten

Die Hochhäuser stehen für eine weitere Besonderheit: Hier, im Stadtteil Planie, ist die ganze Welt zuhause. 108 verschiedene Staatsangehörigkeiten zählt die Stadtverwaltung aktuell. Das Miteinander so vieler Nationalitäten ist nicht immer einfach, auch in der wohlhabendsten Kommune im Landkreis nicht. Ein Bürgerverein kümmert sich darum, dass sich alle in ihrem Viertel daheim fühlen. Helfer erklären vermeintliche Banalitäten – etwa, wie man nach deutscher Vorstellung Müll sortiert. Das sind kleine Puzzlezeile mit großer Integrationswirkung.

Zwischen Bulldogs und Hochhäusern: Das höchste misst fast 50 Meter und hat 16 Stockwerke plus Erdgeschoss.

Bürgermeister Norbert Seidl – wie seit 30 Jahren auch alle seine Vorgänger Sozialdemokrat – ist ein Freund von Multikulti: „Die Leute erleben, dass Vielfalt etwas Positives und Bereicherndes ist“, sagt er. Mit viel Humor und Selbstironie berichtet Kabarettist Simon Pearce von seiner Zeit als farbiges Migrantenkind in Puchheim – und auch von Rassismus, mit dem er zu kämpfen hatte. Er hörte Sätze wie: „Du bist kein richtiger Neger. Du bist doch der Simon.“ Anekdoten wie diese haben ihn über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht. Vor Kurzem kehrte der Wahl-Münchner in seine Heimatstadt zurück: Er trat auf dem Volksfest auf, das die Puchheimer auch sehr lieben. Es ist ein gesellschaftliches Großereignis im Kalender.

Ein buntes Zusammentreffen vieler junger Sportler steht am kommenden Samstag an. Dann findet das Merkur CUP-Finale der U11-Fußballmädchen im Sportzentrum an der Bürgermeister-Ertl-Straße statt. Und die Schützlinge der Trainercrew mit Sophie Opower, Markus Bäuml, Thorsten Grothe und Florian Hofmann erwarten die sieben gegnerischen Mannschaften mit großen Ambitionen. Immerhin hatten sie die Quali-Runde in Moosinning ungeschlagen überstanden. Wer weiß, vielleicht wird Puchheim dann doch noch eins – für die eigene Mannschaft.

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