„Franz hat nachts noch Videos analysiert“

Gut gelaunt auf der Bühne im Münchner Pressehaus: Guido Buchwald (links) im Gespräch mit Uwe Vaders, im Hintergrund das Siegerfoto der WM 1990.

Weltmeister Guido Buchwald gibt beim Merkur CUP-Auftakt Einblicke in das Innenleben der Mannschaft von 1990

Mit Mats Hummels, Philipp Lahm und Thomas Müller haben gleich drei Weltmeister von 2014 ihre ersten fußballerischen Schritte beim Merkur CUP gemacht. 1990 gab es den CUP zwar noch nicht – doch auch aus der Weltmeistermannschaft von damals sind zwei Spieler dem größten E-Jugend-Turnier der Welt eng verbunden: Stefan Reuter, lange Jahre als Schirmherr mit dabei, und Guido Buchwald als Botschafter des CUP-Sponsors Ensinger Mineral-Heilquellen. Im Gespräch mit Moderator Uwe Vaders gab Buchwald bei der Auftaktveranstaltung Einblicke in das Innenleben der Weltmeister-Elf von 1990.

- 24 Jahre nach Ihrem Weltmeistertitel gelang der Nationalmannschaft im letzten Jahr in Brasilien die Wiederholung. Sehen Sie da Parallelen?

Ja, ähnlich war vor allem die Organisation durch den DFB. Das Unternehmen „Weltmeister werden“ muss perfekt geplant sein. Das hat der DFB 1990 optimal gemacht, wir waren in einem Schlosshotel am Comer See untergebracht. Dort waren wir abgeschirmt. Wir hatten damals schon einen Sportplatz innerhalb der Hotelanlage. Dort konnten wir Geheimtrainings machen und Standardsituationen einüben. 2014 war das ähnlich. Mit dem eigens gebauten Hotel war die Basis gelegt, um Weltmeister werden zu können. Andere Länder wie Brasilien vernachlässigen das.

- War der Weltmeistertitel 1990 von Anfang an das erklärte Ziel?

Intern auf jeden Fall. Es war ja beinahe eine Heim-WM. Einige unserer Spieler haben in Mailand gespielt: Brehme, Klinsmann und Matthäus.

- War einer der Italien-Legionäre dann auch der Anführer der Mannschaft?

Nein, einen einzelnen Anführer gab es nicht. Klar, Lothar Matthäus war unser Kapitän. Aber das wurde nicht durch Wahl bestimmt, sondern danach, wer die meisten Länderspiele gemacht hat.

- Gab es keine Spannungen? Das Verhältnis von Matthäus und Klinsmann soll nicht das beste gewesen sein. 

Natürlich war Lothar nicht der allerbeste Freund vom Jürgen Klinsmann. Aber beim ersten Spiel gegen Jugoslawien, als Matthäus das Tor gemacht hat, war der Jürgen der erste Gratulant. Das hat gezeigt, dass wir eine Einheit waren und jeder alles dem Erfolg unterordnet.

- Die gefürchtete Grüppchenbildung war 1990 also ein Fremdwort?

Ja. Dazu ein Beispiel: Nach dem Holland-Spiel hatten wir einen freien Tag. Ich bin mit Jürgen Klinsmann und Olaf Thon zum Italiener gegangen. Áls wir ankamen, saßen da schon acht andere aus der Mannschaft. In einer Mannschaft mit Grüppchenbildung wären wir woanders hin. Aber wir sind geblieben und am Ende mit 15 Mann beim Italiener gesessen und hatte einen Riesenspaß.

- Was ist die Aufgabe des Nationaltrainers bei einer Weltmeisterschaft?

Jeder, der bei der Nationalmannschaft ist, kommt als Leistungsträger aus seinem Verein. Das sind verschiedene Charaktere, und der Trainer muss sie zusammenfügen. 1986 war unsere Leistung bescheiden, und man hat gesehen, wie viel Unruhe in der Mannschaft war. Und da hat auch Franz Beckenbauer unheimlich viel gelernt.

- Wie war Franz Beckenbauer dann 1990 im Umgang mit der Mannschaft?

Franz hat mit seiner positiven Art, seinem Charisma alle angesteckt. Er hat aber auch gewusst, wann er dazwischenhauen musste.

- Wann hat er dazwischengehauen?

Nach dem Viertelfinale gegen die Tschechoslowakei war er sehr stinkig in der Kabine. Ich war froh, dass ich bei der Dopingkontrolle war und es nicht miterleben musste, wie er die Mannschaft zusammengestaucht hat. Irgendwann hat der Andy Brehme ihm dann gesagt: Trainer, wir haben gewonnen, wir sind im Halbfinale.

- Wer war für die taktischen Feinheiten zuständig?

Auch Beckenbauer. Er war der, der alles bestimmt hat. Viele wissen gar nicht, wie akribisch er sich vorbereitet hat. Franz hat nachts Videos analysiert, um uns gut auf die Gegner einzustellen.

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