Hort für 34 Nationen

Vorrunde beim SV Olympiadorf-Concordia

Beim SV Olympiadorf-Concordia wird Integration gelebt, die Trainer sind auch als Sozialarbeiter gefordert.

Nach dem Abpfiff des zweiten Vorrundenspiels streckten die Spieler des SV Olympiadorf Concordia begeistert die Arme in die Höhe – und rannten allesamt Richtung eigenem Tor. Sie wussten, bei wem sie sich für den 2:0-Erfolg über den Mitfavoriten SV Am Hart bedanken mussten: Bei ihrem Torhüter. Der 10-jährige Lukas war erst vor wenigen Tagen vom TSV Milbertshofen zu den E-Junioren des SVO gewechselt und hatte mit einigen starken Paraden zum Start des Merkur CUP am Sonntag gleich seinen großen Auftritt. „Das freut mich sehr für den Jungen“, meinte sein Trainer Torsten Wittke, der die Jubeltraube um seinen neuen Schlussmann dann auch als „schönste Szene des Turniers“ bezeichnete: „Die Integration funktioniert bei uns hervorragend.“

Für Jugendleiter Alexander Wenzel hat dieses Thema höchste Priorität. Die 250 Talente, die von der F- bis zur B-Jugend das Concordia-Trikot tragen, stammen aus 34 Nationen. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund beträgt über 50 Prozent – was die Übungsleiter ab der C-Jugend vor große Herausforderungen stellt. Wenzel: „Da ist man oft mehr Sozialarbeiter als Trainer.“

Mit viel Herzblut, Kameradschaft und Offenheit begegnet man beim SVO den unterschiedlichen Kulturen – und das mit Erfolg. 2006 strukturierte der Verein, der 1991 aus der Fusion des SV Olympiadorf und des SC Concordia hervorging, seine Nachwuchsarbeit neu. Aus einer F-Jugend wurden sechs, die ersten starken Jahrgänge spielen in der D-Jugend um den Aufstieg und einige Talente wechselten bereits zu den Bayern oder 1860. Doch das starke Wachstum hat auch seine negativen Seiten: „Wir stoßen langsam an unsere Grenzen“, sagt Wittke.

Die Bereitschaft der 40 Ehrenamtlichen und der Eltern sei zwar da, doch die Infrastruktur hinkt hinterher. 21 Teams müssen sich einen Rasenplatz teilen. Entsprechend ist dessen Zustand. „Ein Unding“, wie Wittke findet, der zudem auf die baufälligen Kabinen und das fehlende Vereinsheim verweist. Eigeninitiative zu Renovierung oder Neubau wäre da. Was fehlt, sind Platz und Geld. Die Gespräche mit der Stadt sind ins Stocken geraten. Hintergrund ist der anstehende Abriss und Neubau der Hochschulsport- Anlage, auf der sich auch der Rasenplatz des SVO befindet. „Wir bekommen aktuell nur einen einjährigen Pachtvertrag von der ZHS.

Unter diesen Umständen will die Stadt nicht investieren“, berichtet Wittke. Die Verantwortlichen zeigen dafür Verständnis. Jedoch bieten sich Übergangslösungen an, die offensichtlicher nicht sein könnten. Die umliegenden Fußballplätze werden an Firmenteams oder für Golfkurse vermietet. Während auf dem einen Platz 60 Kinder dem Ball hinterherjagen, würden gegenüber fünf Golfer ihr Handicap verbessern. Wittke: „Hier sollte die Förderung der Jugend-Arbeit wichtiger sein als mehr Pacht-Einnahmen.“

Seine Schützlinge zeigten am Sonntagmorgen, dass sie auf engem Raum guten Fußball spielen können und sicherten sich den Gruppensieg vor dem SV Am Hart. In der Parallelgruppe 2 qualifizierten sich der SV Helios- Daglfing und der FC Phönix für die nächste Runde. 150 Zuschauer strömten auf das Concordia-Gelände. „Der Merkur CUP ist sehr beliebt“, berichtet Jugendleiter Wenzel, der auch in den nächsten Runden als Ausrichter in Erscheinung treten möchte.

Schließlich kommt das weltgrößte E-Juniorenturnier, das unsere Zeitung mit den langjährigen Partnern Bayerischer Fußball-Verband (BFV), Hauptsponsor E.ON Bayern Vertrieb, Uhlsport, dem offiziellen Ausrüster des Merkur CUP sowie Ensinger Mineral-Heilquellen veranstaltet, bei den jungen Kickern gut an: „Zweimal zehn Minuten zu spielen ist eine coole Sache“, meint der 11-jährige Nicolai. Auch der Extra-Punkt bei drei oder mehr erzielten Toren erfreut den Stürmer. Sein Teamkamerad Andreas (11) war ebenfalls euphorisiert: „wollen mindestens in die dritte Runde.“

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