Nachruf

Die Merkur-CUP-Familie trauert um Rudi Simbeck: Treibende Kraft, unruhiger Geist

Rudi Simbeck bei der Auslosung einer Merkur-CUP-Kreisrunde zusammen mit BFV-Verbandsjugendleiter Florian Weißmann.
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Er ließ die Kugel rollen: Rudi Simbeck (r.) bei der Auslosung einer Merkur-CUP-Kreisrunde. Er verstarb im Alter von 74 Jahren. Mit seinen selbst gebastelten Loskugeln begeisterte Simbeck auch BFV-Verbandsjugendleiter Florian Weißmann (l.).

Im Alter von 74 Jahren ist Rudi Simbeck gestorben. Der Eichenrieder hat sich immer für den Jugendfußball eingesetzt - auch für den Merkur CUP. Die Trauer bei den Wegbegleitern ist groß.

Eichenried – Ob ihn die folgenden Zeilen interessieren würden? Rudi Simbeck hat sich nie darum gekümmert, was andere über ihn denken. Deshalb ist die Frage schwer zu beantworten. Sicher ist nur: Er hätte den Artikel aus dem Erdinger Anzeiger abgeheftet. Rudi Simbeck war ein wandelndes Archiv. Aber er war noch so viel mehr: die treibende Kraft beim SV Eichenried, in der örtlichen Theaterszene und vor allem im Jugendfußball – im Kreis Erding und darüber hinaus. Alle werden ihn vermissen – diesen Mann, der so viel geleistet hat, sich aber auch nie vor unbequemen Wahrheiten scheute.

„Wer hinter meinem Rücken redet, hat zu wenig Selbstvertrauen, es mir ins Gesicht zu sagen.“ Das postete Rudi Simbeck auf Facebook. Nur wenige Stunden später erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Am 11. Februar 2021 ist er im Alter von 74 Jahren verstorben.

„Es war für ihn eine Erlösung“, sagte seine Frau Sunhild. Vor Weihnachten habe er die Diagnose Krebs erhalten. Seit vielen Jahren habe er gegen schwere Krankheiten angekämpft, „jetzt wollte er einfach nicht mehr, nicht noch mehr Tabletten“. Betreut vom Palliativteam, sei er schließlich zuhause friedlich eingeschlafen.

Seine ersten 30 Jahre verbrachte Rudi Simbeck in der Oberpfalz und in Oberfranken. Dann wurde der Polizist ins Landeskriminalamt nach München berufen. Er bezog eine Dienstwohnung in Holzkirchen. „Dort hat es ihm aber überhaupt nicht gefallen“, erzählt Sunhild Simbeck. Kurz darauf, im Sommer 1976, fand er seine neue Heimat: in Eichenried. Simbeck holte seine Frau und die beiden gemeinsamen Kinder Heinz und Susanne nach. Eichenried – das gefiel ihm. Noch im Juli 1976 wurde er Mitglied beim SVE, stellte sich anfangs noch selbst ins Tor und wurde bereits drei Jahre später Fußballabteilungsleiter.

Es war der Beginn einer langen Funktionärskarriere. Fünf Jahre blieb Simbeck Eichenrieder Fußballchef, danach war er bis 1993 stellvertretender Vorsitzender. Und auch wenn er anschließend kein offizielles Amt im Verein hatte – sein SVE konnte sich immer auf seine Hilfe verlassen – zuletzt bei der Festschrift 2017. „Im Alleingang digitalisierte er in unzähligen Stunden das komplette 50-jährige Vereinsleben“, erinnert sich der heutige Vorsitzende Stefan Huber.

Daniela Krause kann da nur zustimmen. Sie hat Rudi Simbeck als Vorsitzende jener Volksbühne Eichenried beerbt, die dieser im Jahr 1995 ins Leben gerufen hatte. „Rudi hat verwaltungstechnisch alle Kniffe gekannt. Er hat mich immer unterstützt. Er hat uns mit Theaterstückln versorgt, sie ausgearbeitet, auf unsere Leute umgeschrieben. Erst vor kurzem hat er noch für den Neujahrsgruß alle Etiketten ausgedruckt.“

Ein Funktionär, der kreativ ist und auf den man sich zu 100 Prozent verlassen konnte – die Qualitäten des Funktionärs Rudi Simbeck sprachen sich schnell rum. Lange bemühte sich der Bayerische Fußball-Verband um ihn. 1994 übernahm Simbeck dann tatsächlich das Amt des Spielgruppenleiters der Erdinger Fußballjugend, das er erst 2015 aus gesundheitlichen Gründen wieder abgab.

Es sollte sein Lebenswerk werden, denn der Eichenrieder verstand sich nicht als bloßer Verwalter von Ergebnismeldungen und Tabellen. Er mischte sich ein. Dabei scheute er sich auch nicht vor der Konfrontation mit Vereinen, die seiner Meinung nach zu egoistisch, oder zu erfolgsorientiert oder zu nachlässig waren. Diplomatisch ging er dabei nicht immer um, er nahm sich die Jugendleiter auch schon mal vor versammelter Runde zur Brust. Da konnte schon mal ein deftiger Rundumschlag dabei sein. „Auch wenn er nach außen hin manchmal einen rauen Ton anschlug, hatte er einen weichen Kern“, sagt Willi Brambring, einer seiner Nachfolger im Amt. „Es gab keine Wünsche, die er nicht versucht hat umzusetzen.“ Er habe zu allen Vereinen ein sehr gutes Verhältnis gehabt.

„Die Profis haben ihn nicht besonders interessiert“, erzählt Sunhild Simbeck. „Aber wenn bei der Jugend Sommer- oder Winterpause war, dann hatte er schnell Entzugserscheinungen. Ich war dann froh, dass es wieder losging.“ Rudi Simbeck wollte, dass möglichst viel Jugendfußball gespielt wird.

Entsprechend förderte er von der ersten Minute an den Merkur CUP, das E-Jugend-Turnier der Heimatzeitung. Er wickelte dabei nicht nur die Spiele in seinem Kreis ab. Wenn Bedarf bestand, dann kümmerte er sich eben auch noch um Ebersberg. Und damit ist wieder nicht das Verwalten der Ergebnisse gemeint – das hat er natürlich auch perfekt gemacht –, er ließ sich auch keins der Turniere entgehen. Und für die Auslosung der Vorrunden bastelte er halt schnell mal rund 40 Kugeln, damit das genauso professionell aussieht wie beim DFB-Pokal.

Ein Turnier für die E-Jugend, sowie der Baupokal für C und A – das reichte Simbeck nicht. Es war auch seine Idee, den Lipp-Cup für die D- und B-Junioren veranstalten zu lassen. „Dieser Wettbewerb war bis ins kleinste Detail organisiert, und Rudi überließ nichts dem Zufall. Er hat maßgeblichen Anteil an diesem wunderbaren Wettbewerb“, sagen die beiden Geschäftsführer Jürgen Loher und Dirk Urland. Sie werden aber auch in Zukunft an diesem Pokalwettbewerb festhalten, „denn das sind wir dem Rudi in jedem Fall schuldig“.

Dieses Bekenntnis für den Lipp-Cup – das würde Rudi Simbeck freuen und interessieren. Womit die Eingangsfrage geklärt wäre.

Das sagen Wegbegleiter über Rudi Simbeck

„Der sympathische und stets unaufgeregte Fußballfachmann leitete 20 Jahre lang die Spielkreise in Erding und Ebersberg. Er war ein kompetenter Ratgeber, der es in den letzten Jahren eher aus der zweiten Reihe angehen ließ. Bis heute arbeiten wir im Merkur CUP mit einem seiner Feder und seinem Knowhow entsprungenem Programm für die Turniere. Ich werde ihn sehr vermissen.“ Uwe Vaders, Gesamtorganisator des Merkur CUP.

„Rudolf Simbeck hat nie interessiert, wie medienwirksam eine neue Aufgabe oder wie groß die neuen Anforderungen sind. Applaus durch die Öffentlichkeit war nicht sein Antrieb. Das Einzige, was für ihn wichtig war, war die Sache, der Fußball. Und der Fußball im Raum Erding sowie der Sportverein Eichenried haben nun einen großen Verlust erlitten.“ Stefan Huber, Vorsitzender des SV Eichenried.

„Rudis Tod hinterlässt eine Riesenlücke bei uns. Mir wird himmelangst, wie es ohne ihn weiter gehen soll. Alles lief über ihn. Ich weiß ja momentan nicht mal, wo er die Theaterkarten hat drucken lassen. Er hat mir soviel abgenommen, sich um solche Kleinigkeiten ebenso gekümmert wie um die großen Dinge. Er hat das Kindertheater ins Leben gerufen und forciert, dass wir so viele junge Mitglieder haben. Ehrungen waren ihm dagegen total zuwider. Er hat immer gesagt, dass er das von Herzen macht und keine Anerkennung braucht. Dass wir ihn vor Publikum zum Ehrenvorstand erhoben haben, da mussten wir ihn überlisten. Wir haben die Ehrung noch vor der Aufführung gemacht. Da konnte nicht mehr aus.“ Daniela Krause, Vorsitzende der Volksbühne Eichenried, die auch erzählte, dass sich Rudi Simbeck nie das Ende einer Vorstellung ansah: „Sobald der Kartenverkauf vorbei war, sah er seine Aufgabe für erledigt an. Er hat uns dann gesagt: ,Des bassd scho. Ihr werd’s des scho macha’.“ 

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