Elisabeth Schmid verfolgt den Merkur CUP seit seiner Gründung – und hat in den 25 Jahren viel erlebt

Sightseeing, Zahlendreher und gerettete Disketten

Unzählige Geschichten und viele Erinnerungen: Elisabeth Schmid öffnete für unsere Zeitung ihr umfangreiches Privatarchiv aus 25 Jahren Merkur CUP.
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Unzählige Geschichten und viele Erinnerungen: Elisabeth Schmid öffnete für unsere Zeitung ihr umfangreiches Privatarchiv aus 25 Jahren Merkur CUP.

An der Seite des im Januar 2019 verstorbenen Ehren-Jugendspielgruppenleiters Josef Schmid gehörte sie zu ihrem Mann wie der Olympiaturm zu München:

Elisabeth Schmid (74) verpasste kein einziges Kreisfinale beim Merkur CUP und hätte gewiss auch heute beim „großen Finale“ in Unterhaching auf der Tribüne mitgefiebert und die Resultate akribisch daheim archiviert. Für unsere Zeitung blickte sie auf die bisherigen 25 Jahre Merkur CUP zurück.

Frau Schmid, haben Sie eigentlich mitgezählt, bei wie vielen Merkur CUP-Turnieren sie vor Ort dabei waren?

Da müsste ich mal auf die einzelnen Jahre schauen. Von den 25 bisherigen großen Finaltagen dürften es um die 15 gewesen sein. Besuche bei Vorrunden und Bezirksfinals waren es natürlich mehr, und die Kreisfinals habe ich alle gesehen!

Was ist denn für Sie persönlich das Besondere am Merkur CUP?

Irgendwie bin ich in das Turnier reingewachsen. Das ist, wie mit dem Fußball überhaupt, einfach so gekommen. Der Merkur CUP hat mich von Anfang an interessiert, ich war ja auch ab der ersten Austragung dabei und habe dann immer die Statistik gemacht.

Dabei ist über die vielen Jahre ein beeindruckendes Archiv an Presseartikeln und Programmheften zusammengekommen...

Ja, das ist wirklich umfangreich. Und mir ist sogar aufgefallen, dass der SV Haimhausen in der „Ewigen Bestenliste“ des Turniers zweimal aufgeführt wird, einmal mit 6,5 Punkten auf Rang 171 und dann nochmal mit 5,5 Zählern auf Platz 208. Also wären es eigentlich 12 Punkte und damit Platz 130. Dem Merkur CUP-Gesamtspielleiter Uwe Vaders habe ich das beim Bezirksfinale in Eichenried auch schon mal gesagt, aber da war er ein bisserl im Stress – vielleicht liest er es jetzt ja (lacht). Normal ist es ja auch nicht so wichtig, aber der guten Ordnung halber.

Wer hat denn aus unserem Freisinger Landkreis die Nase vorn?

Der SE Freising qualifizierte sich achtmal für das große Finale, das schafften nur der FC Bayern, der TSV 1860 München, die SpVgg Unterhaching und der SC Fürstenfeldbruck öfter. Der TSV Eching war gleich 1995 zur Eröffnung einmal im großen Finale dabei, das gelang danach aber bisher leider nie wieder. Dazu schaffte es der SV Ampertal Palzing ebenfalls einmal, damals unter der Leitung von Trainer Christian „Gricko“ Radlmaier. Der SEF führt auch die Liste der Kreisfinals an: 23 Mal waren die Freisinger dabei, gefolgt von Eching mit 22 Teilnahmen und dem FC Neufahrn mit 19. Von den Vereinen im Landkreis Freising qualifizierten sich hingegen der SC Freising, der FC Mintraching und Wang bislang noch nicht für ein Kreisfinale.

Bei so vielen Turnierbesuchen stellt sich natürlich auch eine andere Frage: Was sind denn Ihre schönsten Erinnerungen an den Merkur CUP?

Es war und ist ja auch immer nett, wenn man zu den Vereinen auf die Sportplätze kommt. Viele bekannte Gesichter, alle freuen sich, wenn man sich sieht. Ich habe dann immer gern geratscht. Sportlich hat es mich natürlich immer besonders gefreut, wenn Eching gewonnen hat – oder wenigstens vor den Freisingern gelandet ist. Darf ich das überhaupt sagen (lacht)? Aber ab den Bezirksfinals, als der SEF dann den Landkreis vertreten hat, habe ich ihnen immer die Daumen gedrückt.

Haben Sie auch neben dem Spielfeld mal etwas Kurioses erlebt?

Ach, da könnte ich wahrscheinlich ein Buch schreiben, weil mir immer mal wieder ein paar Geschichten einfallen. Aber tatsächlich ist dem Sepp und mir gleich zu Beginn des Merkur CUP mal etwas Blödes passiert: Wir sind am Vatertag nach Gammelsdorf zum Vorrundenturnier gefahren und hatten Trikots für die teilnehmenden Vereine dabei. Sepp hat dann die Trikots rausgenommen, den Kofferraum geschlossen und den Schlüssel drinnen im Auto vergessen. Das haben wir dann aber erst ganz zum Schluss gemerkt, als keiner mehr da war. 1995 hat es ja kein Handy gegeben, also standen wir bei größter Hitze da. Ich bin dann zum Tennisplatz runter, da haben vier Damen gespielt. Eine hat mich dann zu sich in die Wohnung gelassen und ich konnte unseren Sohn Gerhard anrufen, der damals in Markt Schwaben war. Dem habe ich gesagt, dass er heim nach Eching fahren und dann mit dem Ersatzschlüssel nach Gammelsdorf kommen müsste. Das hat natürlich gedauert, und wir haben in der Zwischenzeit ganz Gammelsdorf angeschaut, Sepp ist ja gebürtiger Gammelsdorfer gewesen. Das war im Nachhinein ein recht lustiges Erlebnis.

Überhaupt dürfte die Organisation des Spielbetriebs im Allgemeinen und des Merkur CUP im Besonderen ja deutlich komplizierter gewesen sein, als Handys und das Internet noch nicht zum täglichen Leben gehörten...

Ja, mei, das war schon speziell. Die Tabellen haben wir damals ja noch von Hand erstellt. Irgendwann bekamen wir dann mal einen Computer mit einem ganz kleinen Bildschirm, auf dem es ständig „syntax error“ geheißen hat. Abgespeichert wurden die Ergebnisse dann auf Disketten. Einmal sollte so eine Diskette per Post zu BFV-Mitarbeiter Hans Popp geschickt werden. Das Kuvert ist aber irgendwie zerrissen gewesen und leer beim Hans angekommen. Die Diskette war irgendwie mit A- oder B-Jugend beschriftet und ein Schiedsrichter, der damals bei der Post arbeitete, hat sie gefunden und sich gedacht, dass es wohl um Fußball gehen könnte und sie dann an Stefan Hany (heute Ehrenspielgruppenleiter, Anm. d. Red.) geschickt – und so hat die verloren geglaubte Diskette über Umwege doch noch den Weg zum Empfänger gefunden (lacht). Überhaupt kamen ja jede Woche Hunderte von den früher üblichen Papier-Spielberichten per Post zu den Spielleitern, teilweise mit abenteuerlichen Adressangaben. Aber der Postler in Eching kannte uns schon, die sind dann irgendwie alle angekommen.

Wie lange war Ihr Mann eigentlich als Spielleiter tätig?

1965 haben wir uns kennen gelernt und zwei Jahre später geheiratet. 1969 kam unser Sohn Gerhard auf die Welt. 1971 zogen wir nach Eching, bevor Sepp 1972 praktisch über Nacht Jugendleiter beim TSV wurde. Da war seine eigene Karriere längst beendet, weil er sich am Muttertag 1963 als Torwart der SpVgg Moosburg beim Spiel in Mauern noch in der ersten Halbzeit schwer verletzt hatte. Vollgepumpt mit Klosterfrau-Melissengeist hat er sogar nach der Pause weitergespielt, konnte sich aber nicht mehr gut daran erinnern. Im Krankenhaus gaben ihm die Schwestern sogar schon die letzte Ölung, weil sie befürchteten, dass er die Verletzungen nicht überleben würde. Durch die Jugendleitertätigkeit kam das Interesse am Fußball zurück, und Gerhard und ich gingen regelmäßig mit zum Sportplatz. Über die Kreisauswahl, die es damals noch gab, lernte der Sepp dann Stefan Hany kennen und stieg 1986 als Jugend-Spielgruppenleiter ein und übte das Amt bis 2010 aus. Dazu gehörte natürlich auch der Merkur CUP.

Am heutigen Samstag wäre das große Finale in Unterhaching gewesen, doch die Corona-Pandemie macht eine Austragung heuer unmöglich. Wie sehr fehlt Ihnen eigentlich der Fußball?

Das Gesellschaftliche geht schon ab. Mal zum Ratschen raus zu gehen oder die Mannschaft meines Enkels Valentin anzuschauen. Aber allmählich geht es ja mit dem Training wieder los – und der Merkur CUP soll ja auch möglichst bald nachgeholt werden!

Das Gespräch führte Jochen Jürgens.

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