„Nicht nur die Gewinner sind Vorbilder“

Dem Merkur CUP eng verbunden: Organisator Uwe Vaders im Gespräch mit Turnierpate Joachim Herrmann, Schirmherr Manfred Schwabl und Botschafter Guido Buchwald (v.l.).

Innenminister Herrmann, Schirmherr Schwabl und Weltmeister Buchwald diskutieren über Idole und gelbe Karten

Der Merkur CUP hat im Innenministerium von Joachim Herrmann bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn als einige E-Jugend-Buben den Innenminister im Vorjahr besuchten, machte er im Innenhof einen spontanen Spaß-Kick mit. „Das ist bei uns sonst nicht erlaubt“, sagte Herrmann, der als Turnierpate fungiert. Nun stattete er dem Merkur CUP gewissermaßen einen Gegenbesuch ab und kam zur Auftaktveranstaltung. Einen Seitenhieb auf den Politikbetrieb gab es dabei auch: So wie man im Sport lieber gewinne als verliere müsse man als Partei eigentlich lieber regieren als in die Opposition zu gehen, meinte er mit Blick auf die FDP. Ansonsten stand der Sport im Vordergrund, der zum Zuständigkeitsbereich von Hermanns Ministerium zählt. Im Dialog mit Weltmeister Guido Buchwald, der den Merkur CUP seit Jahren als Botschafter begleitet, und Schirmherr Manfred Schwabl ging es um die Vorbildfunktion von Sportlern – und wie viele gelbe Karten sie verträgt.

-Herr Buchwald, Sie galten schon zu Ihrer aktiven Zeit für viele als Vorbild. Was glauben Sie, woran das lag?

Buchwald: Ich denke, im Sport ist ein Vorbild jemand, der einerseits seinen Sport außergewöhnlich gut betreibt – aber auf der anderen Seite auch versucht, immer fair zu spielen. Ich hab in 76 Länderspielen nur eine gelbe Karte bekommen. Als Abwehrspieler ist das schon sehr hochwertig. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich nicht bereit gewesen wäre, für den Erfolg alles zu tun. Aber man sollte dabei auch seinen Gegenspielern Respekt zeigen und versuchen, Zweikämpfe im Rahmen der Regeln zu lösen.

Herrmann: Ich kann das nur unterstreichen: Es ist wichtig, dass wir nicht nur die Gewinner von WM-Titeln und Goldmedaillen als Vorbilder ansehen, sondern auch Fair Play als vorbildhaft würdigen. Sich fair zu verhalten, hat auch seinen Wert und kommt nicht erst an hinterer Stelle.

-Herr Herrmann, welchen Sport haben Sie zu Jugendzeiten betrieben?

Herrmann: Ich bin am liebsten Fahrrad gefahren. Fußball habe ich nicht im Verein gespielt. Aber ich war ein begeisterter Anhänger, habe mir das im Fernsehen gern angeschaut. Wenn ich an meine Jugend denke: Die WM 1974 in Deutschland. Sepp Maier und Franz Beckenbauer und Gerd Müller – da war man natürlich fasziniert.

-Herr Schwabl, Sie haben einmal gesagt, erst die Niederlagen haben Sie stark gemacht.

Schwabl: Nicht jede (lacht). Aber da ist schon was dran. Man muss dann halt wieder aufstehen und darf nicht die Schuld bei anderen suchen. Im Übrigen habe ich 50 gelbe Karten gehabt, lieber Guido. Aber ich war trotzdem ein fairer Sportsmann.

-Herr Buchwald, bringt das Vorbild-Sein auch Probleme mit sich?

Buchwald: Ja, denn jeder Mensch hat Schwächen. Das bleibt auch so, wenn man zu einem Vorbild geworden ist. Jeder hat ein paar Teile in seinem Leben, die nicht unbedingt als Vorbild taugen. Aber obwohl das so ist, muss man sich zumindest in der Öffentlichkeit vorbildlich verhalten. Denn es sind die Werte, die man in der Öffentlichkeit zeigt, die auch die Jugend wahrnimmt.

-Was würden Sie einem jungen Menschen mit auf den Weg geben wollen für seinen sportlichen und persönlichen Werdegang?

Herrmann: Leistung lohnt sich. Die Kinder sollen sich anstrengen und dabei gleichzeitig fair bleiben.

Schwabl: Auf dem Platz sollte man alles in die Waagschale werfen, damit man sich nachher nicht den Vorwurf machen muss, nicht alles gegeben zu haben. Und außerhalb des Platzes ist es gut, bodenständig und demütig zu sein und mit den Füßen am Boden zu bleiben.

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