Interview mit Torsten Horn - Technischer Leiter des Merkur CUP

Frohe Kunde für die Merkur CUP-Kinder

Einer der vielen schönen Momente: Spielleiterin Nicoletta Horn und ihr Mann Torsten (r.), Technischer Leiter des Merkur CUP, bedankten sich nach dem Kreisfinale 2019 in Attaching bei BCA-Jugendleiter Robert Neumaier und seinem Team an ehrenamtlichen Helfern für die tolle Unterstützung.
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Einer der vielen schönen Momente: Spielleiterin Nicoletta Horn und ihr Mann Torsten (r.), Technischer Leiter des Merkur CUP, bedankten sich nach dem Kreisfinale 2019 in Attaching bei BCA-Jugendleiter Robert Neumaier und seinem Team an ehrenamtlichen Helfern für die tolle Unterstützung.

Das sind gute Nachrichten für alle E-Jugendlichen von Freising bis Garmisch-Partenkirchen und Schongau bis Ebersberg: Der diesjährige Merkur CUP wird möglicherweise ab Herbst nachgeholt – mit der aktuellen U11-Altersklasse.

Für viele Nachwuchskicker gehört die Teilnahme am Merkur CUP zweifelsohne zu den Highlights im Jugendbereich – auch wenn der Weg nach Unterhaching kein leichter ist. Aus dem Landkreis Freising dagegen definitiv für das große Finale qualifiziert ist Torsten Horn (58) als Technischer Leiter des Turniers, der im Interview die Planungen für den Merkur CUP skizziert – und erzählt, wie viel Arbeit und Organisation hinter dem größten E-Junioren-Fußballturnier der Welt steckt.

Herr Horn, Sie sind nicht nur als Jugend-Spielleiter für den Bayerischen Fußball-Verband aktiv, sondern auch beim Merkur CUP stärker eingebunden. Wie kam es dazu?

Seit 2016 wird beim Merkur CUP ja die fairste Mannschaft prämiert. 2017 hatte ich gemeinsam mit meiner Frau Nicoletta das große Glück, die Mädchenmannschaft vom FC Moosinning als Fairplay-Siegerinnen nach Bologna begleiten zu dürfen. Das war eine hervorragende, sehr gut vorbereitete Reise. Damals fragte mich Uwe Vaders (Gesamtleiter des Merkur CUP, Anm. d. Red.) in einem zwanglosen Gespräch, ob ich mir vorstellen könnte, intensiver beim Merkur CUP einzusteigen. Zu diesem Zeitpunkt war ich ja noch Kleinfeld-Spielleiter in Freising. Im Frühjahr drauf haben wir uns dann nochmals getroffen, um über einige Details zu sprechen. Meine Vorschläge waren, den ausrichtenden Klubs ab der ersten Runde die Merkur CUP-Spielbälle zu überlassen – als zusätzliches Dankeschön für die Arbeit, und um den Merkur CUP nochmal interessanter für die Vereine zu machen. Ein weiterer Punkt war, dass der Trikotsatz für den Fairplay-Sieger bei den Kreisfinals zügiger ausgeliefert wird. Zuvor war es ein ellenlanger Weg, bis die Vereine die Dressen erhalten haben. Jetzt gibt es die Trikots ja gleich bei der Siegerehrung mitsamt einer Tasche in den Merkur CUP-Farben rot und blau mit nach Hause. Die Größen sind ja bei E-Jugendlichen ungefähr gleich – und wenn mal was nicht passt, kann man das über unseren Sponsoren macron klären. Das war einfach mal der Einstieg.

Wie definierte sich Ihr
Aufgabenfeld darüber
hinaus?

Zunächst war ich dann als einer von vielen im Orga-Team dabei. Das lief für mich hervorragend, war aber auch viel Arbeit. Im Jubiläumsjahr 2019 bin ich dann Technischer Leiter geworden. Das war brutal anstrengend. Seitens des Merkur bin ich für Organisatorisches wie die Anmeldung zuständig, die online unter Beachtung der Datenschutzverordnung erfolgt. Die Frage war dann: In welchen Spielkreis gehört der angemeldete Verein? Beim ersten Mal war das durchaus spannend für mich. Zwar kannte ich Erding und Freising recht gut, aber gerade im Oberland oder auch in München war das durch die Aufteilung in die insgesamt 16 Zeitungskreise nicht immer gleich klar. Nächster Schritt waren dann die Vorbereitungen auf die Auslosungen der Gruppen, die wir im Jubiläumsjahr auf den jeweiligen Jugendleitersitzungen vorgenommen haben, sowie die Zusammenstellung der Willkommenspakete mit den T-Shirts und Bällen für die Vereine. Früher hat das die Marketing-Abteilung mit den Promoterinnen gemacht – jetzt ist das meine Aufgabe. Also habe ich mir meinen Jeep geschnappt und das Material aus dem Lager geholt. Meine Frau und meine Tochter haben alles zusammengepackt, mein Keller war übersät von Merkur CUP-Artikeln. Doch von den Paketen passen am Ende längst nicht mehr alle ins Auto, deshalb hat mir der VfB Hallbergmoos freundlicherweise einen Kleinbus für die Verteilung geliehen.

Kernstück und Ziel der Vorbereitungen bleiben aber natürlich die Turniertage selber. . .

Ja klar. Wenn die Ausrichtervereine feststehen, gilt es natürlich, den Kontakt aufzubauen und zu halten sowie alles rund um die Veranstaltung möglichst vorher abzuklären. Bei den Kreisfinals kommt die Koordination mit den Promoterinnen dazu. Was brauchen wir wann und an welchem Spielort? Wie und durch wen kommt es dahin? Welcher Verantwortliche fährt zu welchem Spielort? Das war letztes Jahr eine Riesen-Herausforderung für uns, weil aus dem Team im Endeffekt nur noch Uwe Vaders und ich übrig geblieben sind. Ich glaube, ich war bei acht Kreisfinals 2019 – das war schon heftig. Aber es hat auch großen Spaß gemacht, das alles zu managen. Vor dem großen Finale war ich zum Beispiel von Donnerstagabend an toujours in Unterhaching, wo ich im übrigen sehr gerne bin. Bei der SpVgg ist alles noch sehr familiär, und der Manni Schwabl (Präsident der SpVgg, Anm. d. Red.) ist für mich einer der besten Menschen, die es gibt. Mittlerweile bin ich sogar Mitglied bei Unterhaching.

Aktuell müssen wir alle leider auf das größte E-Jugendturnier der Welt verzichten, weil die Austragung des Merkur CUP der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist.

In erster Linie lebe ich, seitdem ich dabei bin, für den Merkur CUP. Die zentrale Auslosung für die einzelnen Spielkreise haben wir glücklicherweise im Rahmen des Drittliga-Spiels Haching gegen Bayern II erledigen können. Danach ging es dann mit Corona los – und Uwe Vaders hat sehr schnell mitgeteilt, dass der diesjährige Merkur CUP abgesagt werden muss. Da ist für mich, das muss ich ganz ehrlich sagen, natürlich eine Welt zusammengebrochen. Denn nicht nur den Merkur CUP hat es erwischt, sondern den kompletten Spielbetrieb. Der Fußball wurde von Hundert auf Null ausgebremst.

Die Kinder dürften kaum weniger traurig gewesen sein. Schließlich besteht für einen Großteil der Nachwuchskicker nur einmal im Leben die Chance, an diesem großen Turnier teilnehmen zu können. Bekommen denn die aktuellen E1-Jahrgänge noch irgendwie die Chance, beim Merkur CUP aufzulaufen?

Dazu haben Uwe Vaders und ich bereits seit Längerem ein Konzept in der Schublade. Natürlich wollen wir, sofern es die Politik gestattet, den Merkur CUP 2020 nachholen. Ein mögliches Szenario wäre, weil die Spielpläne ja vorliegen, ab September die Vorrunden so schnell wie möglich zu spielen – und zwar mit den „alten“ Teams aus der abgebrochenen Saison 2019/20. Um dann den Terminplan im Frühjahr 2021 zu entzerren, würden wir die Kreisfinals 2020 und 2021 am gleichen Tag auf der gleichen Sportanlage planen. Wie das dann im Detail aussieht, kann ich heute noch nicht sagen – aber es wird auch 2021 regulär den Merkur CUP geben. Da sind wir auch im Gespräch mit den Sponsoren, von denen dankenswerterweise fast alle an Deck geblieben sind und sogar einer dazugekommen ist.

Wie schaut das dann mit dem Spielrecht aus? Darf ein dann in der neuen Saison ja bereits D-Jugendlicher nochmal in der
E-Jugend kicken? Und wie sieht es für Spieler aus, die jetzt im Sommer den Verein wechseln?

Das sind natürlich Fragen, die wir dann mit dem Bayerischen Fußball-Verband klären müssen. Da geht es um spieltechnische Dinge, also Verbandssachen, die haben jetzt direkt mit meiner Aufgabe als Technischer Leiter nichts zu tun. Freilich werden wir versuchen, dass auch die Kinder, die den Verein gewechselt haben, spielen dürfen – zum Beispiel mit einem Gastspielrecht. Doch das kann ich nicht genau beantworten, das muss geklärt werden. Wir wollen jedenfalls versuchen, dass alle Kinder, die am Merkur CUP der Saison 2019/20 teilgenommen hätten, dann auch spielen können.

Dank Ihrer Doppelfunktion als Technischer Leiter des Merkur CUP und Jugend-Spielleiter kennen Sie den selbst unter normalen Bedingungen schon engen Rahmenterminkalender. Lässt sich der Merkur CUP denn ohne Weiteres in den Herbstspielplan vor den Schlechtwetterwochen integrieren?

Ja, kann man! Aber die Vereine müssen da schon mitspielen, weil wir wenig Zeit haben – ganz klar. Aber wenn man flexibel ist, dann muss ich halt mal einen Spieltag unter die Woche verlegen. Das haben wir ja sonst im Frühjahr genauso gemacht. Oder es wird – als Beispiel – samstags der Merkur CUP und sonntags das Punktspiel ausgetragen. Den Kindern ist es egal, die wollen Fußball spielen. Zudem glaube ich, dass, nach einem gefühlten Dreivierteljahr, die Kinder sehr froh sind, wenn es wieder losgeht. Einzig das Wetter könnte zum Problem werden, aber hier im Norden Münchens geht es meistens. Im Süden, wo eventuell früh Schnee fallen könnte, gibt es weniger Mannschaften und dadurch weniger Zeitdruck.

Zur Überbrückung der fußballfreien Zeit erscheinen in den Heimatzeitungen des Münchner Merkur Auszüge aus dem „Buch der Werte“, und obendrein können die Vereine Mannschaftsfotos ihrer für den Merkur CUP gemeldeten E1-Jugendteams einsenden. Wie kommt das Ihrer Einschätzung nach bei den Lesern an?

Da hoffe ich sehr, dass viele Eltern und Fußballfans diese Artikel lesen, die ich ganz hervorragend finde. Was da drinsteht, das hat sich schließlich kein Reporter aus den Fingern gesaugt, sondern es ist Realität auf vielen Fußballplätzen. Einiges davon habe ich selber miterlebt. Ich sehe es als Super-Aktion – und hoffe, dass sich manche Eltern daran erinnern, wenn wieder Fußball gespielt wird. So nach dem Motto „Halt, stopp, ich sollte mich doch mal ein bisschen zurückhalten“. Ein großes Lob auch an das Team vom Freisinger Tagblatt: Ihr zeigt eine hohe Präsenz und scheut euch auch nicht, mal einzelne Jugendleiter oder Trainer kritisch zu befragen. Mit der Fotoaktion wollen wir die Teams und Trainer zeigen, die gerne gespielt hätten. Schade finde ich, dass sich im Vergleich zu Erding deutlich weniger Freisinger Landkreis-Vereine bislang daran beteiligt haben.

Viele Termine, viel Arbeit. Wie kombinieren Sie Ihre beruflichen und sportlichen Aufgaben eigentlich mit Ihrem Privatleben?

Vorweg gesagt, ohne meine Frau Nicoletta würde das gar nicht funktionieren. Sie war ja damals in Bologna dabei und hatte Sorgen, was ich mir noch alles aufhalsen wolle. Aber sie hilft stets bei allen Vorbereitungen und nimmt mir viel Arbeit ab, ob beim Packen der Taschen oder bei der Büroarbeit für die Auslosungen. Auch meine Tochter Miriam hat mich immer unterstützt. Beim großen Finale 2018 in Altenerding hat sie bei der VIP-Betreuung geholfen und letztes Jahr in Unterhaching im Fan-Shop mitgearbeitet. Ohne meine Familie geht es nicht! Abschließend auch noch ein Wort zu Uwe Vaders, der für mich nicht nur der „Mister Merkur CUP“ in Person, sondern auch ein guter Freund geworden ist. Es vergeht mittlerweile kein Tag, an dem wir nicht telefonieren und uns austauschen. Er ist für mich wie ein Mentor geworden, von dem ich als 58-Jähriger viel gelernt habe. Ich bin dankbar, beim Merkur CUP dabei sein zu dürfen.

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