Merkur CUP im größten Dorf Deutschlands

Er ist stolz auf seine Gemeinde: Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer vor dem Rathaus.

 Zum 25. Mal findet an diesem Samstag das Finale des Merkur CUP statt – im Sportpark der SpVgg Unterhaching. Wir stellen Ihnen den Austragungsort des Jubiläumsturniers für die besten U11-Fußballteams aus Oberbayern vor.

Der Schlachtruf der Unterhachinger Fußballfans, längst auch auf Kultschals zu lesen, schallt bundesweit durch die Stadien. „Vorstädter!“, skandieren sie voller Inbrunst. Ein einziges Wort, das viel aussagt über Unterhaching (Kreis München). „Mit 26 000 Einwohnern sind wir das größte Dorf Deutschlands“, sagt Bürgermeister Wolfgang Panzer mit hörbarem Stolz.

Die Diskussion, dass eine so große Kommune doch eigentlich Stadt-Status beantragen könnte, keimt immer wieder auf. Doch sie bleiben lieber bei Gemeinde Unterhaching, das sei inzwischen „eine Marke“, glaubt der Rathauschef. „Als Stadt würden wir uns nicht mehr von München abgrenzen.“

Das Motto der Gemeinde klingt ein bisschen touristisch: „München vor der Tür, die Berge hinterm Haus“. 20 Minuten dauert’s mit der S-Bahn zum Marienplatz, zum Brauneck fährt man mit dem Auto eine Dreiviertelstunde. Und dass Unterhaching für Auswärtige durchaus ein Urlaubsziel ist, bestätigen neuere Übernachtungszahlen: Im „Holiday Inn“, bislang eher ein Business-Hotel, nächtigen inzwischen mehr Privatleute als Geschäftsreisende. Auch das Vorurteil, Unterhaching sei eine „Schlafstadt“, stimmt längst nicht mehr. 8000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gibt es im Ort, etwa 2000 Gewerbebetriebe sind gelistet, darunter große Firmen wie Mars/Wrigley, Develey oder die Zentrale von Sport-Scheck. „Wir haben die Wende vollzogen hin zum Wirtschaftsstandort“, sagt Rathaus-Sprecher Simon Hötzl.

Vom architektonischen Flair her ist Unterhaching bunt gemischt. Es gibt den alten Ortskern mit dörflichem Bauernhaus-Ambiente genauso wie Hochhaus-Wohngebiete oder einen Rathausplatz, der an die Piazza von Siena erinnern soll, außerdem ein lang gezogenes Gewerbegebiet fast wie in den USA. Zu den sehr bekannten Attraktionen gehört das Freibad, das mit dem einzigen Zehn-Meter-Sprungturm weit und breit sowie einer 50-Meter-Sportschwimmbahn an schönen Tagen über 7500 Besucher anzieht. Als Naherholungsgebiet äußerst beliebt ist der Landschaftspark – 1997 hat die Gemeinde den ehemaligen Fliegerhorst der US-Streitkräfte gekauft, um ihn als Naturparadies und „grüne Lunge“ zu erhalten. Die dreieinhalb Kilometer lange einstige Flughafenpiste ist heute ein Tummelplatz für Kite-Surfer und Inline-Skater, und die sogenannte Hundemeile lockt auch Auswärtige zum Spaziergang mit Bergblick.

Unter den ortsansässigen Stiftungen stechen zwei besonders hervor. Der Baulöwe Anton Schrobenhauser, einst beim FC Bayern Ersatztorwart hinter Sepp Maier, kümmert sich mit seinem Projekt „Kids to life“ um Waisenkinder und sozial vernachlässigte Jugendliche. In Kunstschätze mit einem Wert im oberen zweistelligen Millionenbereich hat der Ehrenbürger Rudolf Pesl investiert – nach seinem Tod fällt das gesamte Stiftungsvermögen der Gemeinde zu. Im Heimatmuseum schlummert eine 5700 Jahre alte Kupferbeilklinge – sie gilt als der älteste Metallfund nördlich der Alpen. Und noch einen Superlativ kann Unterhaching bieten: die erste verkehrsberuhigte Zone bundesweit: Die wurde schon 1978 ausgewiesen.

Doch keine Frage, überregional erlangte Unterhaching über den Fußball Bekanntheit. Der 20. Mai 2000 ging in die Geschichte ein, als die kleine SpVgg Unterhaching dem großen Bayer 04 Leverkusen am letzten Bundesliga-Spieltag die schon sicher geglaubte Deutsche Meisterschaft vereitelte und den FC Bayern unverhofft jubeln ließ. Um (Jugend-)Fußball dreht sich auch an diesem Samstag fast alles in Unterhaching. Doch wer jenseits des Merkur CUP die Gemeinde erkunden mag: Ein Abstecher lohnt sich.

Weitere Artikel

Auswärts daheim

SV Warngau richtet am Samstag großes Finale bei der SpVgg Unterhaching aus
Auswärts daheim

Noch so gefragt wie vor 30 Jahren

Alfred „Magic“ Reindl erzählt aus seinem Leben als Ballakrobat – Zu Besuch bei Maradona
Noch so gefragt wie vor 30 Jahren

„Eine tolle Partnerschaft“

BFV-Präsident Rainer Koch war beim Finalturnier vor Ort – und ist weiterhin begeistert vom Merkur CUP
„Eine tolle Partnerschaft“

Kommentare