Merkur CUP Finale der Jungen

Wunder von Warngau: Haching schlägt Favoriten

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Grenzenloser Jubel: Die SpVgg Unterhaching feiert ihren Triumph. Im

Kampfgeist, Oberland-Luft und eine Prise „Magic“ – SpVgg Unterhaching besiegt erst 1860 und dann im Finale den FC Bayern mit 1:0

Die Stimmen waren schon heiser, die Klamotten durchnässt von einigen Apfelschorle-Duschen. Da scharten sich die Buben der SpVgg Unterhaching noch ein letztes Mal um ihren Trainer David Schneider. „Ihr habt alle gemeinsam heute Geschichte geschrieben“, rief Schneider in die Runde der Zehn- bis Elfjährigen, dann ergriffen seine Spieler wieder das Wort und skandierten lautstark: „Derbysieger!“

Es war das Ende eines historischen Samstagnachmittags vor rund 1000 Zuschauern in Warngau: Erst zum dritten Mal in der 23-jährigen Geschichte des Merkur CUP haben es die Hachinger geschafft, sich gegen die Rivalen vom FC Bayern und TSV 1860 durchzusetzen. Normalerweise machen die beiden Münchner Vereine den Titel beim größten E-Jugend-Turnier der Welt unter sich aus, wer der beste von über 400 teilnehmenden Vereinen ist.

Dass es in diesem Jahr anders kommen könnte, deuteten die Hachinger bereits im Halbfinale an: Das Derby gegen den TSV 1860 gewannen sie mit 1:0. Für das Siegtor sorgte Magnus Dalpiaz per Kopf. „Eigentlich bin ich kein Kopfballmonster, da gibt es bessere“, gab sich der 10-Jährige danach bescheiden, „aber weil’s gegen die Löwen ging, musste ich es probieren, meinen Schädel hinzuhalten.“ Mit Erfolg. Weil Magnus seiner Mannschaft solche magischen Momente in einer gewissen Regelmäßigkeit beschert, rufen ihn die Mitspieler nur noch mit dem Spitznamen „Magic“.

Fotos vom Merkur CUP Finale:

Fotos vom Merkur CUP Finale der Jungen 2017

Im zweiten Derby des Tages, dem Finale gegen den FC Bayern, gerieten die Hachinger dann zunächst gehörig unter Druck. Die Merkur-CUP-Rekordsieger vom FCB fuhren im Minutentakt gefährliche Angriffe – doch Hachings Defensive hielt stand. Im gesamten Finalturnier kassierte die defensive Dreierkette aus Torben Fassbender, Ben Erlmann und Sebastian Ebeling keinen einzigen Gegentreffer. „Die haben ein wahnsinniges Herz“, schwärmt Trainer Schneider, „dass sie auch kicken können, war heute nicht so gefordert, sondern vor allem ihr unbedingter Wille.“

Noch in der ersten Halbzeit des Finales gelang es den Hachingern, einmal selbst einen Nadelstich zu setzen: Nach einem abgewehrten Freistoß der Bayern schalteten sie aufs Kontern um, der Ball kam zum blitzschnellen Rechtsaußen Finn Adler, der freistehend die Nerven bewahrte und zum 1:0 einschob. „Mit links – dabei ist das eigentlich mein schwacher Fuß“, so der Torschütze.

Der Druck der Bayern ließ nicht nach, doch spätestens bei Torwart Konstantin Heide war immer Schluss. „Er wird viel von anderen Vereinen umworben“, weiß Trainer Schneider, „gut, dass er bei uns bleibt. Er ist ein sehr guter Torwart und ein sehr guter Typ.“ Für Spielmacher Victor Knecht war das Finale sein letztes Spiel im Haching-Trikot – er wechselt zum FC Bayern. Im Finale gegen die künftigen Mitspieler gab er noch einmal alles.

Den Willen sah auch Unterhachings Präsident Manfred Schwabl als entscheidenden Grund für den Titel: „Wir legen bei unseren Spielern wahnsinnigen Wert auf Charakter, Demut und Kampfgeist. Das ist uns im Zweifel wichtiger als die Qualität, denn kicken können sie irgendwo alle. Aber das Fußballerherz kannst du nicht verpflanzen – man hat es oder man hat es nicht.“

Schwabl musste sich zwischenzeitlich aus Warngau verabschieden, weil Unterhachings Herrenmannschaft ein Testspiel in Abensberg bestritt. Das Merkur-CUP-Finale erlebte er dann auf dem Rückweg im Auto: Jugendleiter Marc Unterberger kommentierte das ganze Spiel via Handy und Schwabl zitterte mit. „Der Merkur CUP hat bei der U 11 einen unglaublichen Stellenwert“, so Schwabl, „das war schon seit Wochen das beherrschende Thema.“

Umso größer die Erleichterung, als mit dem Schlusspfiff die Sensation feststand: Nach 2001 und 2013 geht der Pokal zum dritten Mal zur SpVgg. „2017 ist ein Haching-Jahr“, freut sich Schwabl. Nach dem Aufstieg der Profis in die Dritte Liga sei der Merkur CUP „das i-Tüpfelchen“. Dass der Erfolg wie 2013 in Gaißach wieder im Bayerischen Oberland gelang, ist für den Holzkirchner Schwabl kein Zufall: „Hier bei mir vor der Haustür ist die Luft besser.“

Kampfgeist, Oberland-Luft und eine Prise „Magic“ – die drei Zutaten für Hachings Wunder von Warngau.

Den kompletten Zeitungsbericht zum Merkur CUP Finale der Jungen gibt's hier zum Download.

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