Rekordsieger als guter Verlierer

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2. Platz: Der FC Bayern wurde lange seiner Favoritenrolle gerecht. Strauchelt aber unglücklich im Finale.

Natürlich war die Enttäuschung grenzenlos. Als klarer Favorit war der Nachwuchs des FC Bayern nach dem 2:0-Vorrundensieg über Lokalrivale 1860 in die Neuauflage im Endspiel gegangen.

Dort zeigten die FCB-Junioren zudem erneut, dass sie die Mannschaft mit dem größeren spielerischen Potenzial sind. Ausgerechnet im großen Finale jedoch, haderte Trainer Marcel Schneider, „haben wir unsere Leistung nicht so auf den Platz gebracht, das schmerzt“. Seine Mannschaft, so der 29-jährige Bayern-Coach, sei von der großartigen Finalatmosphäre beeindruckt gewesen und deshalb „gehemmt“ aufgetreten, „wir hatten Angst vor Fehlern“, monierte er.

Anschließend jedoch konnten die E-Junioren des Rekordmeisters zumindest in einer Rolle glänzen, für die der FC Bayern gemeinhin nicht unbedingt steht: Als guter Verlierer. Während Schneider den Löwen fair zum Sieg gratulierte, kümmerten sich seine Spieler hingebungsvoll um ihren unglücklichsten Mitspieler. Von sechs Schützen im Achtmeterschießen hatten fünf getroffen, nur Bayerns Raphael setzte seinen Strafstoß neben das 1860-Tor und entschied damit das Endspiel. Als die Niederlage endgültig besiegelt war, eilten drei Bayern-Buben sofort auf den geknickten Raphael zu, um ihn zu trösten. Damit konnte der Bayern-Nachwuchs einige Sympathie-Punkte sammeln. Und Raphael sei darauf hingewiesen, dass selbst den Allergrößten der Fußballgeschichte irgendwann im Laufe ihrer Karriere vom Punkt die Nerven versagten.

So ungewohnt Niederlagen für die E-Junioren des FC Bayern auch sind, so souverän meisterte dennoch auch der Trainer diese Situation. „Das ist einfach schade für die Jungs“, bilanzierte Schneider, „und tut weh, unsere überragende Saison macht das aber trotzdem nicht kaputt.“

Der junge Trainer, der seine aktuelle Mannschaft auch über den Sommer hinaus betreuen wird, ist seit dem 1. Juli fest angestellt am Bayern Campus an der Ingolstädter Straße. „Vor drei, vier Jahren“ bereits, berichtet Schneider, habe er die aktive Laufbahn beendet, um sich ganz auf den Trainerjob zu fokussieren. Sein Heimatklub ist der TSV Milbertshofen, seit wenigen Wochen ist er nun neben seinem Trainerjob auch für die Koordination im Kleinfeldbereich des Rekordmeisters zuständig. Dass die Münchner Löwen damit in der Siegerliste des Merkur CUPs auf 10:11 verkürzen konnten, ist für den FC Bayern nicht mehr als eine Herausforderung. „Nächstes Jahr greifen wir wieder an“, schickte Schneider schon mal eine Kampfansage in Richtung des Lokalkonkurrenten, wenngleich diese Aufgabe seinem Nachfolger zukommt.

Und wer weiß: Vielleicht ist es am Ende ja ausgerechnet der am Samstag noch so untröstliche Raphael, dem eine große Karriere bevorsteht. „An dieser Negativ-Erfahrung werden wir wachsen“, ist sich jedenfalls Schneider sicher. Das gilt auch und vor allem für seinen Unglücksraben.

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