Interview mit Podologin Carmen Haidacher

Die Fußexpertin Carmen Haidacher ist Podologin, sektorale Heilpraktikerin und Wundexpertin ICW.

Podologin Carmen Haidacher

Das Leistungsspektrum der Podologen ist vielfältig und ergibt sich aus den Bereichen der Inneren Medizin, Dermatologie, Chirurgie und Orthopädie. Die Maßnahmen sind präventiv, kurativ und therapeutisch rund um den Fuß. In der Praxis für Med. Fußpflege/Podologie am Josephsplatz in München zählen unter anderem auch Sportler, Kinder, Jugendliche zu dem Patientenkreis der 42-jährigen. Im Interview spricht Carmen Haidacher über podologische Krankheitsbildern bei Fußballern und gibt dabei Tipps um präventiv die Fußgesundheit der Jugendlichen Sportler zu unterstützen. Die Website zur Praxis unserer Expertin finden Sie hier.

- Was für Krankheitsbilder sehen Sie bei Sportlern in Ihrer Praxis?

Der eingewachsene Nagel ist schon einer der häufigsten Erkrankungen in unserem Bereich. Häufig ist der falsche Nagelschnitt daran schuld, der Patient schneidet die Ecken zu rund und zu kurz. Auch das Tragen von zu engem oder nicht passenden Schuhwerk können weitere Gründe sein und natürlich auch die genetische Disposition. Der Patient nimmt die zunächst „leichten Schmerzen“ in Kauf und behandelt sich zunächst selbst, folglich entzündet sich das Gewebe rund um den Nagel und sogar das Nagelbett.

- Und mit diesem Krankheitsbild sucht Sie dann der Jugendliche auf? 

Ja, der Patient möchte natürlich so schnell wie möglich schmerzfrei sein. Das Tragen der Schuhe und der Socken führen zu einem enormen schmerzhaften Druckgefühl, sogar das Aufliegen der Bettdecke kann zur Belastung werden, nicht zu vergessen ist der voranschreitende Entzündungsherd. Da kann hier natürlich an Sport nicht mehr gedacht werden. Wir Podologen können hier durch die Entfernung des Nagelsplitters und durch ein entsprechendes Wundmanagement mit anschließender Spangentherapie den Patienten behandeln. Wir arbeiten hier eng mit Ärzten zusammen, denn oft muss aufgrund der Keimbesiedelung auch Antibiotika verordnet werden. Also, soweit der Patient früh genug eine podologische Praxis aufgesucht hat, kann der junge Sportler konservativ sehr gut behandelt werden, ansonsten wird an den Chirurgen verwiesen.

- Kann mit einer Nagelkorrekturspange eine Operation verhindert werden? 

Meistens ja, denn durch die unterschiedliche Auswahl an Spangen ist hier eine individuelle Therapie für den Betroffenen machbar. Die Spangentherapie ist in der Regel schmerzarm im Gegensatz zu einer OP kaum verbunden mit Einschränkungen. Auch der Sport kann nach Abheilung der Wunde wie gewohnt ausgeübt werden, aber auch hier hilft der Podologe mit einer Auswahl an Druckschutzmöglichkeiten und entsprechenden Hygienemaßnahmen.

- Können Sie uns einen aktuellen Fall aus der Praxis nennen? 

Die Zehen von Fußballern sind schon extremen Belastungen ausgesetzt, so können immer mal wieder Hämatome unter der Nagelplatte entstehen. Hier habe ich natürlich auch öfters erlebt, dass der Jugendliche selbst versucht hat sich hier zu behelfen, indem er die Nagelplatte aufbohrt, damit dieses „pumpende“ Druckgefühl aufhört. Es fehlen daheim natürlich sterile Instrumente, die notwendige therapeutische „Fingerfertigkeit“ deshalb kann es nach der Selbsttherapie oftmals zu Entzündungen kommen.

- Wie lautet hier Ihre Empfehlung? 

Natürlich sollte der Sportler unbedingt eine podologische Praxis oder einen Arzt aufsuchen. Wir Podologen schaffen dem Betroffenen Erleichterung indem wir unter Einhaltung der Hygienebedingungen die Nagelplatte aufbohren, eine entsprechende Wundversorgung durchführen und einen Druckschutz anwenden. Somit ist der Patient bald wieder einsatzbereit. Allerdings kann es durch die häufige Schädigung des Nagelbettes zur Wachstumsstörung des Nagels kommen. Auch hier gibt es Therapiemöglichkeiten….

- Was geben Sie unseren jungen Sportlern für Tipps auf dem Weg? 

Präventiv gebe ich den Eltern und natürlich auch den Jugendlichen die Empfehlung eine podologische Praxis aufzusuchen um fachliche Informationen über das eigene Fundament zu bekommen mit einer anschließenden med. Fußpflege. In der Regel wird zunächst erstmal eine Anamnese am Patienten durchgeführt, da werden Nagel- und Hautbildveränderungen erkannt, sowie Fußfehlstellungen und das Schuhwerk begutachtet, denn aus einigen Studien geht hervor, dass Kinder oder Jugendliche oftmals zu kleine Schuhe tragen. Ob es sich hier um einen Freizeit-oder Fußballschuh handelt, wichtig ist das Material und die Qualität, der Schuh sollte auf keinen Fall Druckstellen erzeugen und natürlich passen. Je nach Patientenbefund arbeitet der Podologe interdisziplinär mit Ärzten und Orthopädieschuhmachermeistern zusammen und gibt Empfehlungen ab. Wichtig sind auch Tipps vom Podologen für häusliche präventive Maßnahmen im Hygienebereich um zum Beispiel Haut-und Nagelpilzerkrankungen zu vermeiden

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