29.03.2011 10:20 (Kommentare)
Merkur CUP-Stargast Jörg Butt vom FC Bayern erzählte, was er persönlich erlebt hat und was er jungen Fußballern rät
Hans Jörg Butt hat so einiges erlebt in seiner mittlerweile 16-jährigen Profi-Laufbahn. Und der 36-jährige Torsteher hat viel zu erzählen. Am Freitag, bei der Auftaktveranstaltung des Merkur CUP 2011, musste er einige knifflige Fragen beantworten. Diese wurden teils von BR-Moderator Markus Othmer, teils vom Publikum an den gebürtigen Oldenburger gerichtet.
„Herr Butt, hören Sie im Sommer auf?”
Ja, ich gehe davon aus, dass ich im Sommer die Leitung des Nachwuchs-Leistungszentrums übernehme. Dort kann ich viele Dinge verwirklichen. Ich habe selber drei Kinder und einen Jungen, der sechs Jahre alt ist und gerade mit dem Fußball begonnen hat beim TSV Waldtrudering. Ab und zu trainiere ich die Jungs auch. Deswegen größten Respekt für alle Trainer. Es ist unglaublich schwierig, Menschen zu finden, die das auf ehrenamtlicher Basis machen. Der andere Punkt ist, dass ich meine Erfahrung weitergeben will und mich im Bereich Management weiterentwickeln möchte. Deshalb freue ich mich sehr auf diese Arbeit.
„Was wollen Sie in Ihrer neuen Aufgabe als Jugendkoordinator beim FC Bayern verändern bzw. verbessern?”
Es geht nicht darum, Dinge zu verbessern, sondern weiterzuentwickeln. Wir haben beim FC Bayern eine hervorragende Jugendarbeit. Die Nachwuchsabteilung hat überragend gearbeitet, wenn man sieht, wie viele junge Spieler bei uns im Kader stehen, wie Badstuber, Lahm, Schweinsteiger, Contento. Es gibt aber sicherlich einiges zu tun, wie etwa die Zusammenarbeit mit den kleinen Vereinen zu verbessern.
„Was fangen Sie nach ihrer aktiven Karriere an, fangen Sie etwa an, Golf zu spielen?”
Wenn die aktive Karriere vorbei ist, heißt das nicht, dass ich nicht nach vorne schaue und mir keine neuen Ziele setze. Ich will was erreichen im Leben und habe mir für die neue Aufgabe viel vorgenommen. Mit Golf werde ich nicht anfangen, es muss schon was sein, was mit Sport zu tun hat.
„Nicht so ernst gemeinte Frage: Hat ihr Sohn Talent oder ist er auch Torwart?”
Ich habe selber lange genug im Feld gespielt. In dem Alter kann man noch nicht sagen, ob er Talent hat, da ist es wichtig, dass die Jungs Freude haben und über den Fußball zu Persönlichkeiten reifen.
„Sie haben ja auch einen Bruder, der Torwart ist.”
Ja, in unserem Heimatverein hatten wir einen ziemlich verrückten Torwarttrainer, der ein bisschen Probleme hatte beim Bälle fangen, aber sehr gut vermitteln konnte, wie man’s macht. Wir sind dann zusammen zum VfB Oldenburg, mein Bruder als zweiter und ich als erster Torwart. Er hat sich dann aber für den beruflichen Weg entscheiden. Im elterlichen Betrieb hat er aber auch mit Toren zu tun, wir stellen Industrietore her.
„Ab welchem Alter sollte man sich als Torwart spezialisieren?”
Erst mal sollte man Spaß daran haben, im Tor zu spielen. Spezielles Torwarttraining im E-Jugend-Alter halte ich für nicht so sinnvoll. Sicherlich kann man den Jungs ein paar Grundlagen beibringen, aber ich glaube, dass es wichtig ist, dass Jungs, die gerne im Tor stehen wollen, auch im Feld spielen, um sich fußballerisch zu entwickeln. Wenn man dann mit 13, 14 mit Torwarttraining anfängt, reicht das aus, um nach oben zu kommen.
„Wie gehen Sie mit der Situation um, im Winter von Louis van Gaal zur Nummer zwei hinter Thomas Kraft degradiert worden zu sein?”
Ich hätte niemandem geholfen, wenn ich mich beschwert und über die Medien Theater gemacht hätte. Es kann sich ja jeder denken, dass ich nicht glücklich war mit dieser Entscheidung, weil sie auch für mich sehr überraschend war. Aber auch durch solche Dinge kann man sich weiterentwickeln. Es war eine große Enttäuschung für mich, aber man kann auch aus solchen Momenten gestärkt hervorgehen.
„Was halten Sie von Thomas Kraft als neue Nummer eins, dem Sie auch viel mitgeben können in ihrer Position als Partner?”
Der Thomas ist ein hochtalentierter Torhüter, der sich natürlich weiterentwickeln muss, der sicherlich auch schwierigere Phasen erleben wird. Es liegt an ihm, weiter an sich zu arbeiten. Beim FC Bayern ist es unheimlich schwer, man muss alle drei, vier Tage auf Topniveau spielen.
„Torwartfrage für die neue Saison: Neuer oder Kraft?”
Ich halte den Manuel Neuer für einen überragenden Torhüter, der auch schon auf hohem Niveau sehr gute Leistungen gezeigt hat. Er ist die aktuelle Nummer eins in Deutschland und wäre sicherlich auch ein sehr interessanter Mann für den FC Bayern. Ich kann ihn mir auch sehr gut beim FC Bayern vorstellen. Der Thomas muss das erst mal zeigen. Er hat jetzt ein gutes halbes Jahr gespielt, aber bei einem Verein wie dem FC Bayern ist es nicht so einfach, das auch über Jahre hinzukriegen. Er muss sich da weiterentwickeln. Manuel Neuer hat schon Topleistungen gebracht in der Champions League, in der Bundesliga sowieso und zuletzt auch bei der WM. Dort habe ich sechs Wochen mit ihm zusammengearbeitet, das ist schon ein sehr, sehr guter Torhüter.
„War das für Sie noch mal ein Höhepunkt, bei der WM im Spiel um Platz drei im Tor zu stehen?”
Ich will nicht sagen, dass es die Krönung war, das wäre der Weltmeister-Titel gewesen. Aber natürlich war es ein tolles Erlebnis, noch mal eine WM mitzuerleben und dann auch noch in einem nicht ganz unwichtigen Spiel zum Einsatz zu kommen.
„Wären die olympischen Spiele 2018 in München für Sie auch ein Traum, den Sie gerne unterstützen würden?”
Ja klar, wenn man sich für Sport interessiert und in München lebt, wäre das natürlich überragend und auch unglaublich wichtig für München und die Region. Ich denke, wir sollten zusammen alles dafür tun, dass wir die Olympiade hier erleben können.
Aufgezeichnet von Matthias Horner

